Kleine Geschichten
Ich habe nie angefangen zu studieren – und nie aufgehört.
Ein Dankeschön an die Menschen, die mir Musik geschenkt haben.
Slavko Jovanović · mein Onkel
Der Klang der Mundharmonika begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit. Jedes Mal, wenn mein Onkel sie spielte, war ich wie hypnotisiert. Mein Vater hörte zu Hause immer Blues – mit 13 war ich so weit, selbst loszulegen. Was mein Onkel mir beibrachte, war einfach und wirkungsvoll: Er spielte vor, ich spielte nach und imitierte. Diese Methode nutze ich bis heute in meinem Unterricht.
Peter Crow C. · Blues-Musiker
Peter war mein erster Blues-Gitarrist. Er hat mir eine Welt geöffnet, die ich nicht kannte: Country Blues, Ragtime, die Musik der 20er und 30er Jahre. Wir haben viele Stunden Platten gehört, Musik gemacht und über das Leben philosophiert. Herausgekommen ist eine bis heute andauernde Freundschaft – und meine Dankbarkeit für die bestmögliche Einführung in die Vielfalt und die Geschichten des frühen Blues und seiner faszinierenden Künstler.
Mariem Hassan · Sängerin aus der Westsahara
Ich habe Mariem Hassan nur kurz gekannt, bevor sie starb – doch diese Zeit hat mich verändert. Es begann mit einem Jam in Kreuzberg und führte über Proben in Madrid bis in die Sahara: 2012 flogen wir zur Eröffnung der ersten Musikschule in einem Flüchtlingscamp der Saharauis. Für ihre Gemeinschaft war Mariem weit mehr als eine Musikerin – sie gab einem vergessenen Volk eine Stimme. Bei ihr habe ich zum ersten Mal gespürt, was Musik sein kann, wenn sie mehr ist als Unterhaltung: Hoffnung, Trost, Heilung.
Dražen Franolić · Trio Franolić Čulap Jovanović
Dražen war auf seine eigene Art ein tief spiritueller Mensch. Die Tiefe kam durch seine Verbindung zur Musik. Ich habe von ihm gelernt, wie viele Dinge im Leben wirklich unwichtig sind. In unserer über zehnjährigen Zusammenarbeit sind drei Alben entstanden. Das erste, „PUT“ – Der Weg, war meine erste Begegnung mit ungeraden Rhythmen, arabischen Skalen und einem Zusammenspiel in völliger Hingabe und Verbundenheit.
Georgi Šareski · Šareski & Jovanović
Georgi lebte eine kurze Zeit in Berlin – in dieser Zeit ist ein gemeinsames Album mit seinen Kompositionen entstanden. Seine Musik hatte alles, was mich anzieht: freie Räume, schöne Melodien, charmante Arrangements. Aufgenommen haben wir in Mazedonien, in seinem Wohnzimmer mit Blick ins Tal. Den ganzen Tag donnerte und blitzte es – wer genau hinhört, hört das Gewitter leise im Hintergrund. Ein magischer Moment, als hätten die Götter ihre Pfeile vom Himmel geschossen.
Lutz Schlosser · Gitarrist
Lutz und ich haben uns vom ersten Moment an verstanden und einander vertraut. Es folgte eine Zeit der Entdeckung: Wir experimentierten mit Modi und Gitarrenstimmungen, gaben Improvisationskonzerte und lernten, was es heißt, alle Vorgaben aus der Musik zu nehmen. Nur noch hören, reagieren, akzeptieren. Ich habe selten so viel bei Proben gelacht. Mit Lutz kann man sich wunderbar wundern, gemeinsam freuen und im wahrsten Sinne spielen.
Claus Rückbeil · Trio Tihai
Claus begleitet mich seit vielen Jahren – als Freund und als Ratgeber, der mir mit wichtigen Empfehlungen und viel Hilfe beim Aufbau meiner Schule zur Seite stand. Erst Jahre später konnte ich durch ihn an eine meiner großen Leidenschaften anknüpfen und sie vertiefen: die indische Musik und ihre Pädagogik. Gemeinsam mit Lutz ist daraus ein musikalischer Traum geworden, das Trio Tihai. Und noch eine Tür hat Claus mir geöffnet: den Weg zum Jazz, für den ich jahrelang keinen sinnvollen Einstieg gefunden hatte. Dafür bin ich ihm von Herzen dankbar.